# Custom oder von der Stange — der ehrliche Test

> Die Stange gewinnt, wenn der Prozess Standard ist. Custom gewinnt, wenn der Prozess der Vorteil ist. Der teure Fehler: Custom kaufen für etwas, was ein Plugin schon kann, oder ein Geschäft verbiegen, damit es in ein überwachsenes Tool passt.

Die richtige Frage ist nicht 'was ist besser', sondern 'ist dieser Prozess generisch'. Rechnungen, E-Mail, Kalender, Standard-E-Commerce — tausend Firmen machen sie gleich, und genau deshalb ist das Regalprodukt billig und gut: Seine Entwicklungskosten werden durch jeden Käufer geteilt. Standard-Tooling für einen Standard-Prozess zu kaufen ist kein Kompromiss, sondern Arbitrage.

Custom verdient seinen Preis, wo der Prozess der Burggraben ist: die Angebotslogik, die sonst niemand nutzt, der Workflow, für den es zehn Jahre brauchte, die Integration zwischen Systemen, die nie reden sollten. Dort kostet die Regal-Option anders — nicht in Lizenzgebühren, sondern in Workarounds, Excel-Exporten und dem Gehalt der Person, deren Job das Flicken der Lücke ist. Wenn der Workaround ein Gehalt hat, ist Custom oft die billigere Zeile.

## Der Drei-Fragen-Test

Würde ein Konkurrent mit demselben Tool deinen Vorteil auslöschen? Dann ist die Stange okay. Verändert der Prozess, wie du Arbeit gewinnst? Dann verdient er Custom. Der Tiebreaker: Zähl die Workarounds — wenn Mitarbeiter Tabellen neben dem Tool pflegen, zahlst du schon für Custom, bekommst es nur nicht.

## Die versteckte Rechnung auf der Regal-Seite

Lizenzgebühren sind die sichtbare Zeile; die unsichtbaren sind Seat-Pricing, das Wachstum bestraft, Plugins, die monatlich für eine Checkbox kassieren, die Migration, wenn der Vendor schwenkt, und die Features, denen du deinen Prozess anpasst statt umgekehrt. Die Gesamtkosten der Stange misst man in Jahren, nicht an der Kasse.

## Der ehrliche Fall fürs Kaufen

Manchmal ist Custom trotzdem falsch: wenn der Prozess nicht differenziert, wenn intern niemand das Ergebnis besitzen wird, oder wenn das Budget eine schlechte Custom-Arbeit statt einer guten Regallösung kauft. Schlecht gemachtes Custom ist das Schlimmste beider Welten — der Lizenzpreis plus die Wartung.

## Was bleibt

- Standard-Prozess → Stange; differenzierender Prozess → Custom.
- Zähl die Workarounds — eine Tabelle neben dem Tool ist schon eine Custom-Rechnung.
- Regal-TCO in Jahren: Seats, Plugins, Pivots, Prozessverbiegung.
- Schlechtes Custom ist schlimmer als gute Stange — das Budget entscheidet, was du dir leisten kannst.

## Schlagwörter

Buying software, Build vs buy, TCO

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